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Umbau Nordflügel Hotel Bellevue-Terminus | Folge 4 Rough Style

Engelberg, Hotel, Umbau| Views: 909

Perfekt sein liegt im Trend. Doch Perfektionismus macht unglücklich und ist langweilig!

Wie ich bereits erzählt habe, wurde uns im Zuge des Umbaus im Nordflügel eine erbebengerechte Bauweise auferlegt. Diese Bestimmung hat neben finanziellen, planerischen und statischen Auswirkungen auch optische Einflüsse auf das ganze Gebäude. Wir haben fünf neue Wände im Gebäude die sich von ganz unten nach ganz oben durchziehen und keine Durchbrüche erlauben. Mehr noch diese drei Quer- und zwei Längsmauern sind 25 m tief im Erdboden verankert, über zwei Etagen aus Beton und gehen dann in Holzkonstruktionen über. Sie sind massiv, mächtig, fast monumental und in jedem Fall beeindruckend.

Klar, dass wir unsere neuen „Highlights“ nicht einfach im Gebäude verschwinden lassen möchten, könnten es teilweise auch schlicht nicht und deshalb möchten wir sie inszenieren. Im Erdgeschoss und Bereich Yucatan, sind Ideen mit Graffitikünstlern am Laufen sowie Plakate aus 20 Jahren Yucatan sollen eine neue „Plattform“ finden.

Die grössten Veränderungen wird es jedoch im 1. Obergeschoss geben, genauer im Bereich Rezeption und Buena Vista Lounge. Wir nehmen die neuen Bauelemente als Anlass für einen Relaunch des gesamten Konzept und Look. Wände bleiben unverputzt, Balken bleiben roh, Tapeten werden abgekratzt – wir zeigen was bisher versteckt war. Diese Brüche, Kontraste und Reibungen werden zum Prinzip erhoben und ergeben ein faszinierendes Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart. Das manchmal irritierende, provozierende aber inspirierende Designkonzept trägt viele Namen, wir nennen es Rough Style. Man findet es in Pop-up-Stores und temporären Ausstellungen bis hin zu mondänen Wohn- und Bürogebäuden und nicht zuletzt im zurzeit besten Restaurant der Welt: The Jane in Antwerpen.

Was früher als unfertig und modernisierungsbedürftig galt, ist heute chic und angesagt. Mut zur Imperfektion! Wir wollen in einer immer virtueller werdenden Welt, greifbare Spuren hinterlassen. Wir sind nicht makellos und tragen Schrammen des Lebens. Diese Unterschiede und Eigenheiten machen das Leben erlebnisreich. Die Struppigkeit von Gegenständen gilt nicht länger als Nachteil, sondern als Charakter. Patina verdient Respekt!

Im Lobbybereich verzichten wir auf konventionelle Schönheits- und Perfektionsideale. Es soll ein Raum für Begegnungen entstehen, gegessen, getrunken, gesprochen, gelesen, gelassen werden können. Interpretations-Freiraum. Dieser Raum soll kreativ sein, darf sich ständig neu erfinden und kann nie fertig sein. Wer weiss vielleicht werden schon morgen alle Wände verputzt, glatt geschliffen und mit neuen Oberflächen versiegelt – oder auch nicht. You never know.

Ansonsten läuft auf unserer Baustelle im Nordflügel alles nach Plan. Momentan sind vor allem Holzbauer, Gipser und Sanitärinstallateure am Werk und verbauen tonnenweise Material. Schreiner und Möbelbauer arbeiten in ihren Werkstätten an der Ausstattung und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir Ende Oktober 2017 mit den neuen Zimmern die Zentralschweizerische Hotellerie bereichern. Mehr über den Look der Zimmer verrate ich euch in einem der kommenden Blogbeiträge. Bis dahin, liebe Grüsse Sina

 

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