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Innenarchitektonisches Gesamtkonzept Hotel Bellevue-Terminus

Hotel, Umbau, Wer, wie, wo, was...| Views: 463

Das Hotel Bellevue-Terminus wurde 1898 eröffnet und im Stil der Belle Epoque erbaut. Die Architektur mit ihren prägenden Elementen wie grossen Fensterfronten, enormen Deckenhöhen und Grandezza in den öffentlichen Bereichen wird in den Renovierungsarbeiten aufgenommen und zeitgemäss umgesetzt. Zum Haus passen weder Alpenchic noch „Knödelarchitektur“ wie es Matteo Thun gerne bezeichnet. Das Designkonzept nimmt die Wurzel und Herkunft des Hauses wahr und auf.

Gästezimmer im Südflügel:

Im Sommer 2011 wurden 42 Zimmer und Junior Suiten im Südflügel komplett neu geschaffen. Hierfür wurde der ganze Gebäudeteil ausgehöhlt und neu aufgebaut. Nur die Fassade bleibt bestehen. Die Zimmer bieten viel Platz um sich auszubreiten und wohl zu fühlen. Dabei sind die Raumgrenzen aufgehoben und so gehen Bad-, Wohn- und Schlafbereich fliessend ineinander über. Bei der Gestaltung wurden verschiedene Elemente der Belle Epoque neu interpretiert und mit modernem Design kombiniert. Florale Muster als Deckenmalerei, ein vermeintlicher Kronleuchter in der Toilette, Stuckaturen in den Deckenlampen. Gäste bewegen sich zwischen Belle Epoque und 21. Jahrhundert auf dunklen Eichenböden und in unterschiedlichen Farbwelten beider Epochen.

Als die 42 Zimmer des Südflügels im Herbst 2011 eröffnet wurden, gab es viel Lob für ihre extravagante und unkonventionelle Ausstattung. Hier wurden neue Massstäbe in der Innerschweizerischen Hotellerie gesetzt.

Kategorien: Junior Suite – Superior – Deluxe

Gästezimmer im Nordflügel:

Zwischen April und Oktober 2017 werden die Gästezimmer im Nordflügel konsequent umgebaut. Analog Südflügel wird das Gebäude ausgehöhlt, jedoch mit einem anderen Innenleben gefüllt. Die Böden in den Zimmern sind aus hellem Eichenparkett in Fischgrat verlegt. Die Fliesen im Bad mit floralen Mustern geschmückt. Schrank und Schreibtisch schweben über dem Boden, wirken leicht und geben mehr Freiraum. Ebenfalls leicht und filigran pendeln Glaslampen in unterschiedlichen Schattierungen von der Decke und geben den Räumen ein wohlig warmes Licht. Im Zentrum und Blickfang der 31 Zimmer sind die eigens designten Betten. Sie sind einerseits optisches Highlight und andererseits funktional. Velourstoffe lassen Schatten und Licht spielen. Im Kopfteil werden Knöpfe aufwendig eingearbeitet. Je nachdem komplettieren eine Sitznische, ein Sessel oder eine gepolsterte Bank das Ensemble. Die Räume sind in sehr zurückhaltenden Tönen gestaltet und überlassen die Farbe den Polstermöbeln. Hier gibt es drei Konzepte: dunkelblau-petrol-grün, dunkelgrün-blau-senf und pink-rot-orange. Auch hier wieder eine Reminiszenz an die Belle Epoque verbunden mit der Huldigung des modernen Lebens und den damit verbundenen Ansprüchen.

Kategorie: Standard

Treppenhaus:

Das Treppenhaus ist eine Konstruktion aus rohem Stahl. Eine Hommage an dieses Material, das zum ersten Mal als stilprägendes Element beim Bau des Eifelturms eingesetzt wurde. Die Ausführung ist modern, mit klaren Linien und Kanten. Keine Farben. Nur schwarz und weiss. Reduziert und imposant zugleich.

Lobby/ Living Room:

Im Zuge des Umbaus im Nordflügel wurde eine erbebengerechte Bauweise auferlegt. Diese Bestimmung hat optische Einflüsse auf das ganze Gebäude.

Die grössten Veränderungen gibt es im 1. Obergeschoss, genauer im Bereich Rezeption und Lobby. Die neuen Bauelemente werden Anlass für einen Relaunch des gesamten Konzepts und Look. Wände bleiben unverputzt, Balken bleiben roh, Tapeten werden abgekratzt – es wird gezeigt was bisher versteckt war. Diese Brüche, Kontraste und Reibungen werden zum Prinzip erhoben. So ergibt sich ein faszinierendes Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart. Das manchmal irritierende, provozierende aber inspirierende Designkonzept trägt viele Namen, wir nennen es Rough Style. Man findet es in Pop-up-Stores und temporären Ausstellungen bis hin zu mondänen Wohn- und Bürogebäuden und nicht zuletzt im zurzeit besten Restaurant der Welt: The Jane in Antwerpen.

Was früher als unfertig und modernisierungsbedürftig galt, ist heute chic und angesagt. Mut zur Imperfektion! Wir wollen in einer immer virtueller werdenden Welt, greifbare Spuren hinterlassen. Wir sind nicht makellos und tragen Schrammen des Lebens. Diese Unterschiede und Eigenheiten machen das Leben erlebnisreich. Die Struppigkeit von Gegenständen gilt nicht länger als Nachteil, sondern als Charakter. Patina verdient Respekt!

Dieses Konzept liefert immer wieder Gesprächsstoff und passt daher zum Living Room Charakter der Lobby. Es entsteht ein Raum für Begegnungen. Hier wird gegessen, getrunken, gesprochen, gelesen oder auch gelassen. Interpretations-Freiraum. Dieser Ort soll kreativ sein, darf sich ständig neu erfinden und kann nie fertig sein. Wer weiss, vielleicht werden schon morgen alle Wände verputzt, glatt geschliffen und mit neuen Oberflächen versiegelt – oder auch nicht. You never know.

Interior by Sina N. Filliger

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